Die kurze Antwort

Beim Urheberrecht an Software in der Schweiz benötigt ein Käufer eine nachvollziehbare Kette: Wer hat welche wichtige Software geschaffen, und welche Rechte kann die Gesellschaft ausüben oder übertragen? Erstellen Sie ein Herkunftsregister für Gründer, Mitarbeitende, Freelancer, Agenturen, zugekauften Code, Drittprodukte und Open Source. Verknüpfen Sie Komponenten mit Verträgen, Repositories, Daten, Lizenzen und Ausnahmen. Die Schweizer Regel für Mitarbeiter-Software ist relevant, darf aber nicht auf Auftragnehmer oder jedes kreative Werk ausgedehnt werden.

Zuerst die Vermögenswerte abbilden

Beginnen Sie mit den Produkten und Fähigkeiten, die ein Käufer erwerben soll. Erfassen Sie Anwendungen, Bibliotheken, Apps, APIs, Skripte, Modelle, Dokumentation, Designs, Datenbanken, Domains, Marken und Geschäftsgeheimnisse. Verknüpfen Sie jede wesentliche Komponente mit Repository oder Ablage, Urheber oder Anbieter, Zeitraum und fachlich verantwortlicher Person.

Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum erklärt, dass Quellcode urheberrechtlich geschützt sein kann, Ideen, Konzepte, Algorithmen und Anweisungen als solche jedoch nicht. Urheberrecht ist damit nur eine Ebene. Verträge, Lizenzen, Geheimhaltung, Marken, Domains und operative Kontrolle brauchen eigene Belege.

KomponenteHerkunftRechtsgrundlageBelegAusnahme
KernplattformGründer und MitarbeitendeArbeits- und AbtretungsunterlagenVerträge, Commits, ReleasesLücken erfassen
Kundenportal-ModulAgenturWerkvertrag und Lizenz oder AbtretungVertrag, Abnahme, RepositoryVorbestand prüfen

Gründer, Mitarbeitende und Auftragnehmer getrennt verfolgen

Dokumentieren Sie Arbeiten vor der Gründung, Gründerbeiträge, Anstellungsdaten und Pflichten. Verknüpfen Sie jede Person mit Beziehung, Zeitraum, Arbeitsergebnisse, Repository-Aktivität und Vertrag.

Die IGE-Information für Unternehmen beschreibt eine gesetzliche Ausnahme für Computerprogramme, die Mitarbeitende bei Ausübung ihrer dienstlichen Tätigkeit schaffen. Artikel 17 URG regelt die ausschliesslichen Verwendungsbefugnisse des Arbeitgebers in diesem definierten Fall. Daraus folgt nicht automatisch Kontrolle über Freelancer-Code, vorbestehenden Gründer-Code oder jedes andere Werk. Schweizer Juristen sollten den Sachverhalt prüfen.

Bei Freelancern und Agenturen prüfen Sie unterzeichnete Bedingungen, Arbeitsergebnisse, Hintergrundmaterial, Rechteumfang, Dauer, Unterlizenzierung, Weiterentwicklung und Übergabe. Zahlung allein ersetzt keine klare Rechteklausel.

Eigene, lizenzierte und fremde Komponenten trennen

Eine Firma muss nicht jede Abhängigkeit besitzen. Sie muss wissen, was ihr gehört, was sie zu welchen Bedingungen lizenziert und ob Transaktion und weiterer Betrieb dazu passen. Erfassen Sie SDKs, Cloud-Dienste, Datensätze, Fonts, Medien, Modelle, APIs und eingebettete Technologie.

Halten Sie Anbieter, Produkt, Version, Zweck, Lizenz, Laufzeit, Gebühren, Nutzungsgrenzen, Transfer oder Kontrollwechsel, Kündigung und Ersatzplan fest. Stimmen Sie Einkauf mit Repositories und Produktion ab.

  • Vertragspartei bestätigen.
  • Lizenz mit tatsächlicher Nutzung abgleichen.
  • Kundenmaterial separat markieren.
  • Betriebskritische Dienste kennzeichnen.
  • Hinweis- und Attributionspflichten erfassen.

Open Source sichtbar und kontrolliert machen

Erstellen Sie aus Repositories und Builds ein Komponentenverzeichnis mit Paket, Version, Quelle, Lizenz, Nutzung, Änderungen und Vertriebsmodell. Scanner helfen bei der Suche, ersetzen aber keine Prüfung unklarer oder eigener Komponenten.

Lizenzen enthalten unterschiedliche Bedingungen. Bezeichnen Sie Open Source nicht pauschal als Problem und nehmen Sie bei permissiven Lizenzen nicht an, alle Pflichten entfielen. Bewahren Sie Hinweise, Review und Ausnahmeentscheidungen auf und eskalieren Sie modifizierte, vertriebene oder nicht verlässlich zuordenbare Komponenten.

Die belastbare Antwort lautet: Wir wissen, was wir nutzen, warum wir es nutzen und wie wir die Bedingungen erfüllen.

Ein IP-Herkunftsregister aufbauen

Führen Sie Komponente, Urheber oder Anbieter, Beziehung, Zeitraum, Vertrag, gewährte Rechte, Gebiet und Dauer soweit relevant, Open-Source-Lizenz, Beleg, Ausnahme und verantwortliche Person für die Massnahme. Verknüpfen Sie das Register mit dem technischen Inventar.

Illustratives Beispiel: Eine Agentur entwickelte vor fünf Jahren ein Reporting-Modul. Repository und Rechnungen liegen vor, doch der Vertrag gewährt nur ein beschränktes Nutzungsrecht und sagt nichts zur Quellcodeänderung. Markieren Sie den Punkt bis zur Rechtsprüfung gelb oder rot. Je nach Sachverhalt kommen Bestätigung, Lizenzklärung, Ersatz oder Offenlegung infrage.

  1. Wesentliche Komponenten und Repositories identifizieren.
  2. Personen und Drittquellen auflisten.
  3. Unterzeichnete Verträge und Lizenzen zuordnen.
  4. Rechtsunterlagen mit Produktion vergleichen.
  5. Lücken nach Wirkung klassifizieren.
  6. Massnahmen und Disclosure festhalten.

Die Ampelfarbe ist eine interne Priorisierung und kein rechtliches Gütesiegel. Bewahren Sie die Fakten und den fachlichen Prüfstatus hinter jeder Einstufung auf.

Produktgeschichte und Gesellschaftsgrenzen rekonstruieren

Eigentumslücken entstehen oft, wenn das Produkt älter ist als die heutige Gesellschaft. Stellen Sie Gründung, Gründeraktivität, frühere Gesellschaften, Sacheinlagen, Umstrukturierungen und Akquisitionen auf einer Zeitachse dar. Notieren Sie, wann Repositories, Domains, Cloud-Konten und Kundenverträge wechselten. Wenn eine Gesellschaft Entwickler zahlte und eine andere Kundenverträge schloss, identifizieren Sie die verbindende Vereinbarung.

Bewahren Sie bei zugekauften Produkten Kaufvertrag, Anhänge, Abtretungen, Zustimmungen und Vollzugsnachweise auf. Vergleichen Sie das gekaufte Komponentenverzeichnis mit den heute genutzten Komponenten. Unterscheiden Sie bei Gründerbeiträgen zwischen ausgeführter Abtretung und späterem Abtretungsversprechen. Erfassen Sie Unterschrift und Wirksamkeitsdatum. Schliessen Sie historische Lücken nicht mit heutigen Annahmen.

Prüfen Sie Marken und Domains parallel zum Code. Bestätigen Sie Inhaber, administrativen Zugriff, Verlängerung und die in Registern genannte Gesellschaft. Erfassen Sie nicht registrierte Geschäftsbezeichnungen und Nutzungsgebiete. Qualifizierte Fachpersonen beurteilen Recherchen, Eintragungen und Korrekturen.

Eigentumsbelege nach der Prüfung aktuell halten

Integrieren Sie Herkunft in Onboarding und Beschaffung. Neue Arbeits- und Auftragsverhältnisse brauchen freigegebene Bedingungen vor Arbeitsbeginn. Drittsoftware erhält eine fachlich verantwortliche Person, Lizenznachweis und Security Review. Beiträge müssen identifizierten Konten zugeordnet, geprüft und in firmenkontrollierten Repositories aufbewahrt werden.

Definieren Sie einen Ausnahmeprozess. Engineers brauchen einen klaren Weg bei Paketen ohne Lizenz, Kundencode, wiederverwendetem Vorbestand oder Frameworks einer Agentur. Dokumentieren Sie Entscheid, Einschränkungen und Folgeaktion. Vergleichen Sie periodische Scans mit dem genehmigten Inventar und legen Sie sie nicht unbearbeitet ab.

Aktualisieren Sie vor Transaktionsunterzeichnung das Register und prüfen Sie den Abschluss der Massnahmen. Trennen Sie Tatsachenbelege von Rechtsfolgerungen. So arbeiten Technik, Recht und Commercial mit derselben Komponentenliste und bleiben für ihre Analyse verantwortlich.

Belege für kontrollierte Due Diligence vorbereiten

Ordnen Sie Verträge, Nachträge, Beitragende, Repository-Daten, Release-Historie, Lizenzinventare, Hinweise, Register und Ausnahmen in einem Index. Schwärzen Sie Personen- und Geschäftsdaten soweit angebracht und staffeln Sie Zugriffe. Ein Datenraum hebt Vertraulichkeit und Datenschutz nicht auf.

Koordinieren Sie Recht und Technik: Juristen interpretieren Rechte, Engineers zeigen ausgelieferte Komponenten, Finance und Einkauf bestätigen Lieferanten. Die Checkliste zur technischen Due Diligence verbindet dies mit Security und Resilienz. Der Leitfaden zur vertraulichen Verkaufsvorbereitung erklärt stufenweise Offenlegung.

Versprechen Sie keine Perfektion. Stellen Sie die bekannte Lage korrekt dar und bearbeiten Sie wesentliche Lücken früh.

Das Paket ist prüfbar, wenn jede wesentliche ausgelieferte Komponente einem Urheber oder Anbieter, dem massgebenden Vertrag oder der Lizenz, einem Repository- oder Build-Beleg, einer verantwortlichen Person für Ausnahmen und dem Rechtsprüfungsstatus zugeordnet ist.

Fragen von Inhabern

Gehört Mitarbeiter-Software automatisch der Schweizer Firma?

Das Gesetz enthält eine spezifische Regel für Programme, die Mitarbeitende in Ausübung dienstlicher Pflichten schaffen. Die Anwendung hängt vom Sachverhalt ab und erfasst nicht automatisch Auftragnehmer, Vorbestand oder jede andere Komponente.

Überträgt die Zahlung an Freelancer das Urheberrecht?

Zahlung allein sollte nicht als vollständiger Transfer behandelt werden. Prüfen Sie Vertrag, Arbeitsergebnisse, Vorbestand, Rechteumfang und Einschränkungen fachlich.

Ist Open Source beim Firmenverkauf ein Problem?

Nicht grundsätzlich. Käufer erwarten Inventar, Lizenzen, Compliance-Belege und Transparenz bei Bedingungen, die Vertrieb, Änderung oder Transfer betreffen.

Was gehört ins IP-Herkunftsregister?

Komponente, Urheber oder Anbieter, Beziehung, Daten, Vertrag, Rechte oder Lizenz, Beleg, Drittkomponenten, Ausnahme und verantwortliche Person für die Massnahme. Verlinken Sie jeden Eintrag mit Vertrag, Repository oder anderem Beleg.

Ersetzt die Checkliste Rechtsberatung?

Nein. Sie strukturiert Belege. Schweizer Fachpersonen sollten Eigentum, Lizenzen, Lücken und transferspezifische Fragen beurteilen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. IGE: Grundlagen Urheberrecht
  2. IGE: Urheberrecht in Unternehmen
  3. Fedlex: Urheberrechtsgesetz

Continuum Redaktion

Recherchen und praktische Arbeitshilfen zur Orientierung für Inhaber. Continuum bietet eine unabhängige erste Perspektive und auf Wunsch Kontakte. Transaktionsbezogene Rechts-, Steuer- und Bewertungsfragen gehören zu qualifizierten Fachpersonen.

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